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"Größer, schneller, weiter." Biolandwirt Weltin bedauert zutiefst die Tendenzen in der Landwirtschaft und Agrarpolitik: Traktoren mit 135, 145, 155... PS sind keine Seltenheit. Viele Landwirte sehen sich gezwungen, mit leistungsstarken Maschinen ihre "Schlagkraft" zu erhöhen, um am Markt bestehen zu können.
Schlagkraft haben Wilma, Maralena und Wendy auch. Aber eine Schlagkraft der anderen Art. Die drei Schwarzwälder Kaltblut-Stuten ziehen mit grossem Elan den Vorderwagen mit Doppelmessermähwerk durch das Naturschutzgebiet Radolfzeller Aachried. Sie benötigen keinen Diesel, sondern Heu, Gras, gerne eine Extraportion Kraftfutter und vor allem die sichere Hand des Fuhr- und Pferdemanns Guido Weltin.
Sechs Frauen und sechs Männer waren angereist - sogar aus dem Elsass und Thüringen um sich während zwei Tagen auf dem Pferdehof Weltin - nahe Radolfzell am Bodensee - in den Pferdeeinsatz in der Land- und Forstwirtschaft einführen zu lassen. Hobby- oder angehende Haupterwerbslandwirte waren darunter oder ganz einfach "Pferdemenschen".
Bekanntermaßen zeichnen sich die Kaltblutpferde durch ihre relativ gelassene Wesensart aus - zum Glück der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denn auch Mirco, Doro und Wicky - allesamt Schwarzwälder Kaltblüter - haben keinen, aber wirklich gar keinen Anfängerfehler krumm genommen: Da will es gelernt sein, lange Führleinen richtig in die Hand zu nehmen, die angemessene Verbindung zum Pferdemaul zu halten, "Wüst" zu sagen für links herum und "Hot" für rechts herum. Von dem korrekten Anspannen ganz abgesehen. Die Erfolgserlebnisse stellten sich trotzdem - vor allem dank der gut ausgebildeten Pferde - sehr schnell ein.
Nach dem Fahren vom Boden aus durch einen Parcours waren alle Teilnehmenden in der Lage Rundballen auf einem eigens dafür entwickelten Gerät mit Mirco als Zugpferd abzutransportieren. Sogar das zweispännige Fahren mit angehängter Egge machte keine allzu großen Probleme, so dass am Samstag bereits das Saatbett auf einer Ackerfläche bereitet werden konnte.
Die Familie Weltin bewirtschaftet 23 ha Ackerfläche und cirka 24 ha Wiesen und Weiden nach den Richtlinien des Bioland-Anbauverbandes. Bei allem Idealismus, Engagement und Liebe zu den Pferden können die Weltins die Pferdestärke nicht bei allen anfallenden Arbeiten zum Einsatz bringen. Ganz besonders gern gesehen wird sie aber von der Naturschutzbehörde, in deren Namen die Weltins rund 35 ha geschützte Streuwiesen pflegen. Denn hier ist das „kleiner, langsamer und leichter“ die willkommene Devise.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich mit schönen Eindrücken nach Hause und der eine oder die andere mit dem Vorsatz, das Erlernte zuhause umzusetzen.
Nicole-Simone Dahms
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